LOVETALK: Vanicure gefällig?!

Was würdet ihr sagen, wenn ich euch erzählte, dass ich unzufrieden mit meinem Venushügel bin. Ja, irgendwie finde ich ihn nicht schön. Ich habe das Gefühl, 26 Jahre und die Gravitationskraft ziehen ihn runter. Er macht schlapp. Verliert an Volumen. Ist stumpf und glanzlos. Ich kann nur Gott danken, dass ich derzeit aufgrund meines Tinder-Detox keinen GV habe. Stellt euch nur vor ein Mann würde mein schlaff-stoppeliges Schamgebirge sehen. Einen Blick auf diesen fahlen Teint werfen. Und dann erst der Geruch – erinnert nicht gerade an Veilchen. Dem armen Kerl würde ja alles vergehen. Wäre ihm nicht zu verdenken. Bei diesem visuellen als auch olfaktorischen Albtraum hätte ich auch keine Lust weiter vorzustoßen. Würde ich diese kleine Exkursion in die Abgründe meiner Liebesgrotte ernst meinen, würdet ihr mir sicher einen Vogel zeigen. Ihr würdet mir dazu raten meine Prioritäten zu überdenken oder mich mal am Kopf untersuchen zu lassen. Tatsächlich scheinen aber derzeit mindestens 3.041 Frauen ähnliche Gedanken mit sich herumzutragen, inklusive ihrer unvollkommenen Intimzone. Denn genau so viele Girls folgen dem Label The Perfect V. Die makellosen Gründerinnen der skandinavischen Brand, die Beauty Produkte für den Venushügel herstellt, haben sich nicht nur diesen frech-verspielten Namen ausgedacht, sondern auch eine rosa Strategie, mit der sie uns davon überzeugen wollen, dass etwas nicht mit uns stimmt. Oder besser gesagt mit unserer empfindlichsten Stelle. Das nenne ich mal einen stylisch verpackten Schlag zwischen die Beine.

„We manicure, we pedicure and now we Vanicure™.“

Ja…oder…auch…nicht.

Nach Straffungsseren für die Vulva, Klitoris- und G-Punkt-Aufspritzungen und Schamlippenkorrekturen sollte man meinen, dass mittlerweile jeder freie Zentimeter unseres Körpers in irgendeiner Form einen Ungenügend-Stempel bekommen hat: Brüste zu klein, mach groß; Füße hässlich, mach schön; alles zu dick und alt, mach jünger und dünner. Dabei habe ich allerdings nicht an den Blindspot oberhalb meines Schambeins gedacht. Wie konnte ich mich die vergangenen zehn Jahre meines Lebens für diese optimierungsbedürftige Stelle meines Körpers nicht selbst mindestens fünf Minuten am Tag fertig machen? Stimmt was nicht mit mir?

Na ja, jetzt weiß ich es besser. Ich brauche eine ‚Vanicure‘ asap. Diese besteht aus mehreren Schritten, für die The Perfect V verschiedene, völlig überflüssige Produkte im Sortiment hat. Ich erläutere euch das mal kurz in meinen eigenen Worten, ihr erlaubt: Erst wascht ihr die sechs Quadratzentimeter Haut, die sich innerhalb eures V’s befinden, danach hobelt ihr mit einem Peeling drüber. Hiernach tragt ihr ein Feuchtigkeitsserum auf, das feine Linien wegzaubert. Es zaubert sie einfach weg. Einfach so. Puff. Ich habe nachgeschaut, da sind keine Falten, ebensowenig wie auf den Armen oder dem Rücken. Hierauf klatscht ihr noch eine Creme, die die Schönheit eurer V verstärkt. Alles einziehen lassen und dann kommen wir auch schon zu meinem Lieblingsprodukt: dem ‚Very V Luminizer‘ (ca. 36 €), einem Highlighter für den Venushügel. Ihr habt euch nicht verlesen, das meinen die ernst. Damit bringt ihr das, was in eurem Höschen ist so richtig zum strahlen. Und jünger sieht euer Dreieck damit auch aus, weil jünger ist immer gut. Zum Abschluss und als Krönung dieser an Absurdität nicht zu übertreffenden Farce benebelt ihr eure ‚V’ mit einem parfümierten Beauty Mist. Ich zitiere:

„Neutralizes odor with a fresh light scent.“

Also ich bin verwirrt. Riecht mein Venushügel? Darum geht es hierbei doch. Obwohl, so sicher bin ich mir gar nicht. Denn auf der Website und in den glorreichen Youtube-Videos wird immer nur von dem ‚V‘ gesprochen. V? Wofür soll das stehen? Vulva? Vagina? Venushügel? Wenn man schon so einen Quatsch rausbringt, um damit Geld zu verdienen, sollte man wenigstens den Arsch in der Hose haben und aussprechen, wofür die eigenen Produkte sind. Egal, dafür ist alles schön rosa, reicht ja. Oh, und dann noch ab und an aus Sicherheitsgründen droppen lassen, dass jede ‚V‘ natürlich von Natur aus perfekt ist. Klar! No offense, ist sie. Nur mit einem Beauty Mist riecht sie auch so.

© instagram.com/theperfectv/

Ich fasse zusammen: Wir sollen eine Stange Geld ausgeben, um eine Körperregion zu illuminieren, die immer von Stoff bedeckt ist. Außer wir stehen unter der Dusche oder haben Sex. Kein Mann auf dieser Welt würde die Mühe und Zeit, die wir täglich in unsere Vanicure stecken, registrieren. Wobei, hups, das ist ja auch eigentlich egal, weil wir das für uns tun würden. Stimmt, das habe ich  kurz vergessen. Ich poliere meine Venus auf Hochglanz und stelle mich danach vor den Spiegel und freue mich, weil meine ‚V‘ nun das Optimum verkörpert und endlich nicht mehr stinkt. Ich frage mich, wer für sowas Zeit hat, bzw. wer sich dafür die Zeit nehmen will. Ich klopfe mir schon auf die Schulter, wenn ich es schaffe mich zweimal im Monat zu rasieren. The Perfect V ist das perfekte Beispiel für eine Marke, die Frauen dem Anschein nach erzählt sie wären wunderschön und richtig, so wie sie sind. Dann jedoch ein kleines Fenster öffnen und Unsicherheit streuen. Weil es noch ein kleines Bisschen besser geht und wenn etwas noch besser geht, ist es nicht perfekt. Und das wollen wir doch alle sein, nicht wahr? Mit rosa CI und Testimonials, die frisch vom Victoria Secret Catwalk gecastet erscheinen, hat das skandinavische Label die richtige Zielgruppe gefunden: Junge Mädchen und Frauen, die leicht beeinflussbar und oftmals noch nicht eins mit ihrem Körper sind. Genau die haben nämlich auch Falten auf ihrem Venushügel.

In meinen Augen ist The Perfect V für den Schlübba, nichts weiter. Denn genau dort landen die Produkte!